Zwischenzeugnis erstellen und prüfen - Muster und Formulierungen

22. April 2026

Aufbau eines Zwischenzeugnis Musters: Betreff, Stammdaten, Tätigkeitsbeschreibung, Beurteilung, Grund für Beendigung, Schlussformel, Datum & Unterschrift.

Inhaltsverzeichnis

Ein Zwischenzeugnis wird meist dann wichtig, wenn sich im Arbeitsverhältnis etwas verändert: Die Führungskraft wechselt, die Aufgaben werden neu verteilt oder eine Bewerbung soll vorbereitet werden. Ein gutes Zwischenzeugnis-Muster zeigt, welche Angaben rechtlich und praktisch hineingehören, wie ein qualifiziertes Zeugnis aufgebaut ist und woran Sie problematische Formulierungen erkennen.

Diese Punkte machen ein Zwischenzeugnis brauchbar

  • Anspruch: Ein Zwischenzeugnis setzt meist einen triftigen oder berechtigten Grund voraus.
  • Inhalt: Ein qualifiziertes Zeugnis beschreibt Tätigkeit, Leistung und Verhalten.
  • Muster: Die Formulierungen müssen zur tatsächlichen Position und bisherigen Arbeit passen.
  • Bewertung: Einzelne Wörter wie „stets“ können die Gesamtnote beeinflussen.
  • Prüfung: Unvollständige Aufgaben, Widersprüche und versteckte Aussagen sollten Sie früh korrigieren lassen.

Wann ein Zwischenzeugnis wirklich beansprucht werden kann

Ein gesetzlicher Anspruch auf ein Zeugnis besteht nach § 109 Gewerbeordnung grundsätzlich bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Das Zwischenzeugnis betrifft dagegen ein laufendes Arbeitsverhältnis. Deshalb gibt es dafür nicht automatisch einen Anspruch, nur weil ein Arbeitnehmer darum bittet.

Das Bundesarbeitsgericht erkennt einen Anspruch an, wenn ein triftiger Grund besteht. Typische Fälle sind der Wechsel des Vorgesetzten, eine erhebliche Änderung der Tätigkeit, eine bevorstehende Versetzung oder eine Bewerbung, für die das Dokument benötigt wird. Auch eine längere Abwesenheit, eine Umstrukturierung des Betriebs oder ein Streit über die Beendigung des Arbeitsverhältnisses können ein berechtigtes Interesse begründen.

Ich würde den Grund in der Anfrage offen, aber knapp nennen. Wer sich beispielsweise wegen eines Vorgesetztenwechsels ein Zwischenzeugnis ausstellen lässt, muss nicht zusätzlich erklären, ob er einen Arbeitgeberwechsel plant. Eine sachliche Begründung reicht aus und verhindert unnötige Spekulationen.

Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung können zusätzliche Regeln enthalten. Gibt es dort eine ausdrückliche Zusage, kann die Position des Beschäftigten besser sein als nach den allgemeinen Grundsätzen. Einen starren gesetzlichen Zeitraum für die Ausstellung gibt es beim Zwischenzeugnis allerdings nicht. Eine angemessene Frist von etwa 10 bis 14 Kalendertagen kann in einer schriftlichen Bitte sinnvoll sein, ist aber keine allgemeine gesetzliche Vorgabe.

Was ein qualifiziertes Zwischenzeugnis enthalten sollte

Die meisten Beschäftigten benötigen ein qualifiziertes Zwischenzeugnis. Es enthält nicht nur die Art und Dauer der Beschäftigung, sondern bewertet auch die Leistung und das Verhalten. Ein einfaches Zwischenzeugnis nennt dagegen lediglich die persönlichen Daten, die Position und die ausgeübten Tätigkeiten.

In der Praxis hat sich ein klarer Aufbau etabliert. Ein vollständiges Dokument sollte die folgenden Bereiche abdecken:

Bestandteil Was hineingehört
Überschrift Zum Beispiel „Zwischenzeugnis“
Einleitung Name, Geburtsdatum optional, Eintrittsdatum, Position und gegebenenfalls Unternehmensbeschreibung
Tätigkeitsbeschreibung Aufgaben, Verantwortungsbereiche, Projekte, Kompetenzen und berufliche Entwicklung
Leistungsbeurteilung Fachkenntnisse, Arbeitsbereitschaft, Belastbarkeit, Arbeitsweise, Arbeitsergebnisse und Initiative
Verhaltensbeurteilung Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen, Kunden und anderen Geschäftspartnern
Schlussformel Grund für die Ausstellung, Ort, Datum und Unterschrift

Bei Führungskräften kommt die Beurteilung der Führungsleistung hinzu. Dazu gehören beispielsweise die Delegation von Aufgaben, die Förderung von Mitarbeitern, die Kommunikation im Team und der Umgang mit Konflikten. Eine reine Aufzählung von Projekten genügt hier nicht.

Das Zwischenzeugnis wird grundsätzlich im Präsens formuliert, weil das Arbeitsverhältnis noch besteht. Ein Satz wie „Frau Keller war als Projektleiterin tätig“ passt eher zu einem Endzeugnis. Besser ist „Frau Keller ist als Projektleiterin tätig“.

Ein praxistaugliches Muster für das Zwischenzeugnis

Das folgende Beispiel ist als Arbeitsgrundlage gedacht. Es muss an die tatsächlichen Aufgaben, die Position und die gewünschte Bewertung angepasst werden. Ein Arbeitgeber darf keine Leistungen bestätigen, die nicht erbracht wurden.

Zwischenzeugnis

Frau Anna Keller, geboren am 12. Mai 1990, ist seit dem 1. April 2021 als Senior Projektmanagerin bei der Beispiel GmbH beschäftigt.

Die Beispiel GmbH entwickelt Softwarelösungen für mittelständische Unternehmen und beschäftigt an den Standorten Berlin und Hamburg insgesamt rund 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Zu den wesentlichen Aufgaben von Frau Keller gehören insbesondere:

  • Planung und Steuerung von Kundenprojekten
  • Koordination interner Projektteams und externer Dienstleister
  • Erstellung von Projektplänen, Statusberichten und Budgetübersichten
  • Durchführung von Kundenterminen und Präsentationen
  • Überwachung von Zeitplänen, Risiken und Qualitätszielen
  • Unterstützung bei der Weiterentwicklung interner Projektmanagement-Prozesse

Frau Keller verfügt über sehr gute und umfassende Fachkenntnisse, die sie auch bei anspruchsvollen Aufgaben sicher und erfolgreich einsetzt. Sie arbeitet sich schnell in neue Themengebiete ein und hält ihr Wissen durch regelmäßige Weiterbildungen auf einem aktuellen Stand.

Ihre Arbeitsweise ist jederzeit selbstständig, strukturiert und sorgfältig. Auch bei hohem Arbeitsaufkommen handelt sie zuverlässig und behält die vereinbarten Ziele im Blick. Die von ihr erzielten Arbeitsergebnisse sind stets von sehr guter Qualität und entsprechen unseren Erwartungen in vollem Umfang.

Frau Keller zeigt eine hohe Eigeninitiative und übernimmt Verantwortung. Sie trägt wesentlich dazu bei, Projekte termingerecht und wirtschaftlich erfolgreich umzusetzen. Besonders hervorzuheben sind ihre ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit und ihr überzeugendes Auftreten gegenüber Kunden.

Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen sowie Kunden ist jederzeit vorbildlich. Frau Keller wird wegen ihrer kooperativen und verbindlichen Art sehr geschätzt.

Dieses Zwischenzeugnis wird auf Wunsch von Frau Keller anlässlich des Wechsels ihrer bisherigen Vorgesetzten erstellt. Wir danken ihr für die bisher geleistete Arbeit und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit.

Berlin, den [Datum]

[Unterschrift]
[Name und Funktion der unterzeichnenden Person]

Die Schlussformel ist bei einem Zwischenzeugnis etwas anders als beim Endzeugnis. Eine Formulierung wie „Wir bedauern ihr Ausscheiden“ wäre unpassend, solange die Person im Unternehmen bleibt. Der Zusatz zum Anlass ist hilfreich, weil er erklärt, warum das Dokument gerade jetzt ausgestellt wird.

Ein Anspruch auf eine Dankes- oder Wunschformel besteht nach der Rechtsprechung nicht. Fehlt sie, wird das Zeugnis deshalb nicht automatisch falsch. Inhaltlich entscheidend bleiben die Tätigkeitsbeschreibung sowie die nachvollziehbare Bewertung von Leistung und Verhalten.

Welche Formulierungen welche Bewertung nahelegen

Die sogenannte Zeugnissprache ist kein gesetzlich festgelegtes Notensystem. Trotzdem haben sich bestimmte Formulierungen herausgebildet, die Personalabteilungen regelmäßig ähnlich verstehen. Ich rate davon ab, einzelne Wörter isoliert zu bewerten. Entscheidend ist immer der Gesamteindruck aus mehreren Sätzen.

Typische Formulierung Übliche Einordnung
„stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ Sehr gute Bewertung, meist Note 1
„stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ Gute Bewertung, meist Note 2
„zu unserer vollen Zufriedenheit“ Befriedigende Bewertung, meist Note 3
„zu unserer Zufriedenheit“ Eher durchschnittliche bis schwächere Bewertung
„war bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden“ Deutlich kritische Aussage, trotz freundlicher Sprache

Das Wort „stets“ verstärkt eine Aussage, weil es für eine gleichbleibende Leistung steht. Fehlt es nur in einem Bereich, muss das nicht automatisch eine schlechte Note bedeuten. Wenn Fachkenntnisse, Arbeitsergebnisse und Verhalten aber auffällig unterschiedlich bewertet werden, lohnt sich eine genaue Prüfung.

Verhaltensbeurteilungen sollten die Reihenfolge der wichtigen Kontaktgruppen sinnvoll abbilden. „Das Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten war einwandfrei“ kann anders gelesen werden als „gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden“. Solche Unterschiede sind nicht immer versteckte Codes, sie können aber zeigen, welche Beziehungen der Verfasser besonders hervorheben wollte.

Verboten sind Formulierungen, die nach außen positiv wirken, tatsächlich aber eine verschlüsselte negative Botschaft transportieren sollen. Das Zeugnis muss klar und verständlich sein. Nicht jede ungewöhnliche Formulierung ist deshalb automatisch ein Geheimcode, aber unklare oder widersprüchliche Aussagen sollten nicht einfach hingenommen werden.

So prüfen Sie das Dokument und lassen Fehler korrigieren

Lesen Sie das Zwischenzeugnis zuerst nicht nach einzelnen Noten, sondern wie eine fremde Person, die Ihre berufliche Eignung beurteilen soll. Kann sie erkennen, was Sie tatsächlich tun, welche Verantwortung Sie tragen und welche Ergebnisse Sie erzielen?

  • Stimmen Eintrittsdatum, Position und Abteilung?
  • Sind die wichtigsten Aufgaben und Projekte vollständig enthalten?
  • Passt die Beschreibung zu Ihrer tatsächlichen Verantwortung?
  • Werden Leistung und Verhalten getrennt und nachvollziehbar bewertet?
  • Ist die Beurteilung im Präsens formuliert?
  • Gibt es Widersprüche zwischen Aufgabenbeschreibung und Bewertung?
  • Enthält das Zeugnis sachfremde Angaben, private Informationen oder unklare Andeutungen?
  • Sind Datum, Briefkopf und Unterschrift korrekt?

Fehler sollten Sie möglichst zeitnah schriftlich ansprechen. Beschreiben Sie konkret, welche Passage geändert werden soll und warum. Ein allgemeiner Satz wie „Das Zeugnis ist zu schlecht“ hilft dagegen wenig. Besser ist etwa der Hinweis, dass ein wichtiges Projekt fehlt oder eine Bewertung nicht zu dokumentierten Zielerreichungen passt.

Ein kurzer Antrag kann so aussehen:

Sehr geehrte Frau [Name],

aufgrund des Wechsels meiner direkten Führungskraft bitte ich um die Ausstellung eines qualifizierten Zwischenzeugnisses. Das Zeugnis sollte meine Tätigkeit seit dem [Eintrittsdatum] bis zum aktuellen Ausstellungsdatum sowie meine Leistungen und mein Verhalten im Arbeitsverhältnis umfassen.

Ich bitte um Ausstellung bis zum [Datum]. Für Rückfragen oder eine Abstimmung der aktuellen Aufgabenbeschreibung stehe ich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
[Name]

Ein selbst formulierter Entwurf kann die Abstimmung erleichtern, insbesondere bei komplexen Tätigkeiten. Der Arbeitgeber muss diesen Entwurf aber nicht übernehmen. Er bleibt für den Inhalt verantwortlich und darf nur solche Bewertungen aufnehmen, die wahr und sachlich vertretbar sind.

Ein Zwischenzeugnis wirkt später weiter

Ein Zwischenzeugnis ist keine endgültige Garantie für jede spätere Zeugnisformulierung. Es dokumentiert die Bewertung zu einem bestimmten Zeitpunkt. Ändern sich Aufgaben, Leistungen oder das Verhalten danach erheblich, kann ein späteres Endzeugnis abweichen.

Eine grundlose Verschlechterung ist trotzdem problematisch, besonders wenn sich an Tätigkeit und Leistung nichts geändert hat. Deshalb bewahre ich ein erhaltenes Zwischenzeugnis immer zusammen mit Leistungsbeurteilungen, Zielvereinbarungen und wichtigen Projektunterlagen auf. Diese Dokumente helfen, falls die spätere Bewertung nicht mehr zum bisherigen Verlauf passt.

Für Beschäftigte ist ein gutes Zwischenzeugnis damit mehr als eine Formalität. Es schafft eine schriftliche Momentaufnahme, macht die eigene Tätigkeit sichtbar und kann bei einer Bewerbung oder einem internen Wechsel entscheidend sein. Entscheidend ist nicht eine möglichst glänzende Floskel, sondern ein stimmiges, vollständiges und belegbares Gesamtbild.

Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Das Material wurde mit Unterstützung moderner Analyse- und Sprachwerkzeuge (KI) erstellt. Konsultieren Sie vor einer Entscheidung einen Experten.

Häufig gestellte Fragen

Ein Anspruch besteht im laufenden Arbeitsverhältnis meist bei einem triftigen oder berechtigten Grund. Dazu zählen etwa ein Vorgesetztenwechsel, eine erhebliche Änderung der Tätigkeit, eine bevorstehende Versetzung oder eine Bewerbung. Auch eine Umstrukturierung oder längere Abwesenheit kann das Interesse begründen.

Es beschreibt neben Beschäftigungsdauer und Position auch die konkreten Aufgaben, Leistungen und das Verhalten. Dazu gehören unter anderem Fachkenntnisse, Arbeitsweise, Arbeitsergebnisse, Eigeninitiative sowie das Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden. Da das Arbeitsverhältnis fortbesteht, wird das Zwischenzeugnis grundsätzlich im Präsens formuliert.

Die Bewertung ergibt sich aus dem Gesamteindruck mehrerer Sätze, nicht aus einzelnen Wörtern. Formulierungen wie „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ werden meist als sehr gut eingeordnet, während „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ typischerweise einer guten Bewertung entspricht. Das Wort „stets“ kann eine Aussage verstärken, ist allein aber kein sicherer Notenschlüssel.

Sprechen Sie problematische Passagen möglichst zeitnah schriftlich und konkret an. Prüfen Sie insbesondere Eintrittsdatum, Position, Aufgaben, Bewertungen, Präsens, Widersprüche sowie Datum und Unterschrift. Ein fehlendes wichtiges Projekt oder eine nicht belegbare Bewertung sollte sachlich benannt und mit passenden Unterlagen erläutert werden.

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zwischenzeugnis arbeitszeugnis zeugnissprache zeugnisberichtigung

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Jakob Schlüter

Jakob Schlüter

Mein Name ist Jakob Schlüter und ich bringe vier Jahre Erfahrung im Bereich Recht im Alltag mit, insbesondere in den Themen Familie, Arbeit und Wohnen. Mein Interesse an diesen Bereichen entstand aus der Überzeugung, dass rechtliche Fragestellungen oft komplex und verwirrend sind, aber für jeden von uns von großer Bedeutung sein können. Ich finde es besonders erfüllend, komplexe rechtliche Konzepte zu vereinfachen und verständlich zu machen, damit Leserinnen und Leser fundierte Entscheidungen treffen können. In meinen Beiträgen konzentriere ich mich darauf, aktuelle Trends und Entwicklungen im Recht zu beleuchten und dabei stets auf verlässliche Quellen zurückzugreifen. Mein Ziel ist es, nützliche, präzise und leicht verständliche Informationen zu bieten, die den Alltag meiner Leserinnen und Leser bereichern. Ich hoffe, dass ich mit meinen Texten dazu beitragen kann, rechtliche Unsicherheiten abzubauen und ein besseres Verständnis für die Rechte und Pflichten im Alltag zu vermitteln.

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